Samstag, 1. März 2008

Ein gewöhnlicher Tag im Leben der Dana S...

Heute war Skifahren geplant. Das heißt frühes Aufstehen (6.30 Uhr - mitten in der Nacht für georgische Verhältnisse), frühes Rausschmeißen meiner Gäste (zwei lustige Letten) und Taxi bestellen, da der Treffpunkt am anderen Ende der Stadt ist und um die Zeit kaum ein Taxi zu finden sein wird. Naja, bestellt habe ich das Taxi gestern abend, aber heute morgen um sieben riefen sie mich an und sagen, das Taxiunternehmen arbeitet heute nicht...auf meine Frage, warum ihnen das nicht schon gestern eingefallen ist, gab es natürlich keine Antwort...gottseidank hat aber alles geklappt und ich kam, natürlich viel zu zeitig, am Treffpunkt an.
Torsten war ebenso wenig fit wie ich (bei mir war es eine späte Flasche Wein mit den Litauern, bei ihm eine Party...), hat aber glücklicherweise die Konversation mit unserem neuseeländischen Fahrer aus der britischen Botschaft übernommen (auf Englisch...), so dass ich noch ein wenig träumen konnte.
Das Ausleihen von Schuhe und Ski war natürlich wieder schwierig. wir haben mittlerweile den dritten Verleih getestet...der Service ist überall gleich (schlecht), Ski und Schuhe variieren in der Qualität, aber irgendwas haut immer nicht hin. ist für mich nicht so schlimm, aber Torsten ist ein sehr guter Skifahrer und da macht das schon was aus.
Unser Brite machte dann deutlich klar, dass er allein fahren will - okay, ich bin nicht traurig, dass die Konversation dann wieder in Deutsch läuft ;-)
Das Wetter war erst schön, dann zog es sich zu, dann riss es oben nochmal auf, bis dann endgültig Nebel war. Mittlerweile kenn ich die Pisten und hab nicht mehr so Angst, mich zu verfahren, ABER man hat halt gar nichts gesehen, so dass das Skifahren dann ziemlich anstrengend war. Zwischendurch hätte es mich einmal bald hingelegt, konnte mich grad noch retten. In einen Abgrund hab ich auch geschaut, bin aber rechtzeitig stehen geblieben. Unterwegs haben wir dann noch diverse Mitglieder der deutschen Gemeinde getroffen, darunter auch die Botschafterin, an der ich mich in der Schlange vorbeigedrängelt habe. ;-) Oben haben wir uns dann natürlich wieder getroffen und ich hätte mir in die Hosen machen können vor Lachen, als einer der Botschaftsleute sie doch tatsächlich am Samstag, im Skigebiet unter lauter Deutschen mit "Frau Botschafterin" ansprach...Frau Botschafterin hat gemacht, dass sie wegkam, wollte wohl auch weniger offiziell unterwegs sein...;-)
Unsere Mitfahrgelegenheit wollte halb vier wieder weg, was wir frühmorgens bedauert hatten. Wegen der Wetterlage war das dann nicht ganz so schlimm für uns, aber dann fing das eigentliche Abenteuer erst an. Erst kamen wir im Ort nicht weiter, weil sich in einer Senke auf den eisigen Spurrillen viel Wasser angesammelt hat und einige Autos nicht vorwärtsgekommen sind. Außerhalb der Stadt konnten wir dann wieder die Nadelöhre beobachten, die in abgegangene Lawinen gebaggert werden, um den Verkehr wieder fließen zu lassen. In einer Kurve standen wir dann plötzlich im Stau und dachten, es hätten sich zwei geküsst. Konnte ja keiner ahnen, dass wir nun selbst Zeugen einer solchen Baggeraktion werden durften, sowas passiert ja eigentlich nur den anderen...aber nein, vor uns war eine Lawine abgegangen, die Straße war zu und umfahren kann man das nicht, es gibt nur die eine Straße. Auf den Schneemassen hatten sich schon ein paar Schaulustige angesammelt, die dem armen Baggerfahrer zuguckten, wie der versucht, einen Durchgang zu schaffen. Ihr müsst euch also vorstellen, da ist ein Schneeberg auf der Straße, auf der Kuppe stehen 20 (teilweise mächtig betrunkene) Georgier und etwa einen Meter weiter arbeitet der Bagger. Ich habe ja nur drauf gwartet, dass einer unter den Bagger kommt.
Wir hatten Glück im Unglück. Mit uns war General Kutateladze in der Warteschlange, der den Gouverneur anrief und einen zweiten größeren Bagger bestellte. Etwa anderthalb Stunden standen also Vertreter der unterschiedlichesten Botschaften und Organisationen vor dem Schneeberg und schwatzten getreu der kaukasischen Tradition in verschiedenen Sprachen. Der General war ein sehr sympathischer Mensch, der es sich nicht nehmen ließ uns immer wieder zu erklären, dass es sich nur noch um Stunden handeln könnte. Sein Sohn war dagegen total unsympathisch. Frühmorgens hatten wir uns unterhalten, dass man 3 Sekunden braucht, um zu entscheiden, ob einem jemand sympathisch ist. Bei dem habe ich keine drei Sekunden gebraucht...Dem hat man auf 100 m angesehen, dass das ein verwöhntes Arschloch ist...
Als dann der zweite Bagger kam, kamen auch die Jungs vom General, etwa 20 Gebirgsjäger, die ihr Klappspaten auspackten und fleißig mitschippten. Ein Bild für die Götter. Vor allem, weil die Jungs sich ein wenig behinderten und es eigentlich nur eine Frage der Zeit war, bis einer dem anderen mit dem Spaten das Gesicht einschlägt...dann ging es super schnell und wir waren wieder on tour.
Unser Fahrer drückte mächtig aufs Gas, wollte anscheinend nach Hause. Nacheinander haben wir die Pickups der Armee überholt und uns an die Spitze der Kolonne gesetzt. Ich wollte grad wieder die Augen zumachen, als uns in einem Dorf jemand entgegenkam, die Kurve zu schnell nahm, völlig ausgeschert ist und uns bald gerammt hätte...mein Herz...ich hatte schon abgeschlossen mit meinem Leben, obwohl Torsten dann meinte, dass wir es wahrscheinlich überlebt hätten. Schließlich saßen wir angeschnallt in einem Nissan Pathfinder, während der Fahrer in einem klapprigen alten Auto saß und mit 99,99% Wahrscheinlichkeit nicht angeschnallt war...
In der Stadt angekommen hatten wir die Idee, dass ein Abendessen ein gebührender Abschluss des heutigen Tages wäre. Also auf ins Chinkali-Sachli. Weil wir Benjamin, den neuen Botschafts- und die neue Goethe-Praktikantin auch eingeladen hatten, diese aber voraussichtlich noch 100 Jahre brauchten und wir furchtbaren Hunger hatten (schließlich war das Mittagessen wegen früher Abfahrt ausgefallen), haben wir uns mit der Ausländermasche einen schnellen Tisch ergattert und schon mal einen halben Liter Suppe gegessen. Als die drei dann da waren, gab es noch Chinkali und die Erkenntnis, dass ich alt werde...
Fotos gibt es später, die hat Torsten alle.

4 Kommentare:

hinzi hat gesagt…

Hi Danuschka, ich hoffe Du schließt jetzt auch immer alle deine Schutzengel ins Morgen- und Abendgebet mit ein!?

Atze hat gesagt…

Tsetsetse..
Schonwieder Skifahren.
Na ick globs ja!

dana hat gesagt…

Neidisch? ;-)

hinzi hat gesagt…

Hat der Osterhase die Fotos im Gepäck???