
Am nächsten Morgen kam Oxana und wir saßen zu dritt am Frühstückstisch. Haben uns gut unterhalten und sicher auch laut gelacht. Aber wohlgemerkt am Samstag nach um neun. Es klingelte wieder. Diesmal ging ich mit zur Tür. Wir wären zu laut, es wäre eine Zumutung, dass wir das Fenster aufhätten, es wäre schön lange nicht mehr so warm, dass man das müsste, Samstag wäre der einzige Tag, wo er sich erholen könne und überhaupt der Vormieter hätte ihm immer Bescheid gesagt, wenn er Besuch bekam. Er würde die Polizei holen.

Also, es ist wohl unsere Angelegenheit, ob wir das Fenster auf oder zu hätten, wenn es ihm zu laut ist, kann er ja sein Fenster zumachen. Samstag um neun ist eine normale Zeit, da kann man aufstehen. Das ist eher nicht normal, wenn man seinem Nachbarn Bescheid sagt, wann man Besuch bekommt. Das geht ihn gar nichts an. Die Polizei kann er gern holen, die werden sich am Samstag morgen nicht mit ihm befassen.
- Wir Deutschen (der Typ sagte echt, wir Deutschen!) nehmen Rücksicht aufeinander und das
solltet ihr auch lernen.
- Sorry, aber ich bin Deutsche.
- Na, dann weißte das ja.
- Moment, beim Du sind wir noch nicht.
- Ich kann dich wohl duzen.
- Nein, ich kenne Sie nicht und möchte das nicht.
- Na, das kann ja dann die Polizei klären.
Sprach´s und verschwand. Nicht ohne dann unser Klingelschild einzuklemmen, so dass wir ein wenig Klingelterror hatten. Wohl nicht alle Tassen im Schrank.
Nach dem Frühstück trennten wir uns, Oxana fuhr auf die Zugspitze, Julia und ich gingen im Olympiapark spazieren und hatten die Freude einer gigantischen Zeugen-Jehova-Taufe beiwohnen zu dürfen. Allerdings hinter Stacheldraht...

Den nächsten Morgen sind wir in eine übervolle BOB gestiegen und in Richtung Tegernsee abgefahren. Die Bahn war so voll, dass man kaum ein und aussteigen konnte. Wir haben allerdings noch Plätze ergattert!

Ein paar Tage waren wir bei meiner Cousine in Oberbayern und haben uns erholt. Wandern, Kaiserschmarrn essen, Fahrrad fahren, spazieren gehen - von allem ein bisschen und viel Erholung. Nur die Operation Pax Nexus war ein wenig anstrengend, aber zumindest hat mein süßer Neffe nun einen neuen Schrank.

Wir saßen grad bei strahlendem Sonnenschein auf der Alm, mit der Gabel im Kaiserschmarrn, als die Chefin anrief: Wir bleiben bis auf Weiteres in Deutschland. In Georgien ist Krieg.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen