Heute war ich endlich mit Kerstin mal wieder auf der Vernissage - dem Schmuck- und Kunstmarkt am Wochenende. Irgendwie war es sehr warm (über 15 Grad) und die Sonne hat geblendet, so dass wir kaum was gesehen haben. Also sind wir halt nur geschlendert und haben nicht ernsthaft geguckt.
Da geht doch ein Pärchen an uns vorbei, die Frau sagt was und ich sag zu Kerstin: "Das ist doch Anahit!" Kerstin wollte es nicht glauben, aber sie war es tatsächlich - die Armenierin, die wir im Dezember auf dem Flug zu ihrem Liebsten gerettet haben :)
Unser Flieger war ja zu spät und wir machten uns Sorgen um den Anschluss in Prag. Als wir endlich drin saßen, spielte die Frau vor uns immer noch mit ihrem Handy, bis Kerstin sie anherrschte, sie möge das Ding doch endlich ausmachen. Während des Fluges fragte sie dreimal, ob wir auch nach München fliegen und ob sie denn mit uns mitgehen könnte, sie wäre das erste Mal in Prag und wüsste nicht, wohin sie müsse und...
Als wir in Prag aus dem Flieger stiegen, sagte uns ein junger Mann, dass die Flüge nach Berlin und München Verspätung hätten, so dass wir sie noch schaffen könnten. Sind wir also losgerannt, durch den halben Flughafen, durch die ewig lange dauernde Sicherheitskontrolle, den ganzen langen Gang bis hinter zum letzten Gate und die Stewardess macht doch tatsächlich 10m vor mir zu. Das wars, Flieger weg. Na super. Also schnell Anja angerufen, Toni zurückgerufen und dann bin ich zurück zum Transitschalter gedackelt. Dort traf ich dann auch Kerstin wieder, weshalb ich mich zumindest nicht hinten in der Schlange anstellen musste. Wir hatten es mit einer unheimlich "freundlichen" und "kompetenten" Dame zu tun, die sich wirklich bemühte uns noch mehr zu verdrießen. Ich gab meinen Pass bei Kerstin ab, denn das Ganze lief auf Englisch und das ist nun wirklich nicht meine Angelegenheit.
Hatte ich also Zeit die Leute zu beobachten und auf wen fiel mein Blick - auf die Frau von vorhin, die völlig in Tränen aufgelöst in der Schlange stand, ständig klingelte ihr Telefon, sie sprach und weinte, legte wieder auf und war völlig fertig. Mein Helfersyndrom schlug zu und ich ging hin zu ihr und versuchte sie zu beruhigen. Das war praktisch unmöglich. Ihr Freund rief ständig an, sie hörte ihn, aber er sie nicht. Also hab ich sie erstmal von meinem Telefon aus anrufen lassen. Danach erzählte sie mir, dass sie ihr Täschchen verloren hatte. Hm, dachte ich, jetzt machen die den Flughafen wegen Bombenalarm wahrscheinlich gleich zu und ich fragte, was denn für ein Täschchen. Ich dachte ja ein Handtäschchen, das man beim Rennen verlieren konnte, aber nein, es war ein Täschchen auf Rollen. Ein schwarzes. Hm, auf Rollen scheint also größer zu sein. Wo kann man sowas "verlieren"? Eigentlich nur bei der Sicherheitskontrolle. Ich also dahin, da stand auch tatsächlich eine Tasche rum, aber eine grüne. Hm. Ich zurück zu Anahit (so heißt sie nämlich) und hab versucht, sie dazuzubewegen, sich die Tasche mal anzuschauen, aber die Frau war voll hysterisch und bewegte sich aus der Schlange keinen Schritt weg. Nein, ihr wäre alles egal, Hauptsache, sie kann ihr Ticket tauschen. Also ich wieder zurück, habe mit dem "BGS" gesprochen und die Erlaubnis erhalten, die Tasche mitzunehmen. Komme ich also mit der grünen Tasche um die Ecke, gehe auf Anahit zu und diese erkennt ihre Tasche erst auf einen halben Meter Entfernung. Schwarz...naja. Also waren wir dem Glück nun einen Schritt näher. Das Ticket wurde auch getauscht, wir haben auch für sie einen Essensvoucher bekommen und haben uns dann auf den Weg in ein Cafe gemacht, haben sie gezwungen, was zu essen und zu trinken. Immer, wenn sie sich grad beruhigt hatte, rief ihr Freund wieder an und sie weinte wieder. Beim Rennen sei sie auch hingefallen, habe sich weh getan und die Uhr verloren. Vier Stunden lang hatten wir das Vergnügen, sie hat uns ihre halbe Lebensgeschichte erzählt, darunter auch, wie sie zu dem Freund gekommen ist. Der ist nämlich nach Armenien gekommen, in das Büro ihrer Freundin gegangen und hat verkündet, er wolle eine Armenierin heiraten. Da wurde Anahit vorgestellt und nun fährt sie zum Heiraten. Kerstin und ich schauten uns an und machten uns so unsere Gedanken :)
Glücklich stiegen wir dann in unseren Lufthansa Flug Prag-München operated by Augsburg Airways und kamen dort wohlbehalten an. Die Wege der Münchner und Berliner trennten sich, was Anahit nicht so ganz verstand, jedoch mit Hinweis auf ihren wartenden Freund schluckte. Es war ihr ein Rätsel, wie ich herausbekommen habe, wo unsere Koffer ankommen, wo das Klo ist, wo wir hinmüssen usw. Ihren Koffer habe ich erkannt, bewegen konnte sie ihn auch nicht, weshalb ich ihn an mich genommen habe und mit ihr raus bin. Sofort löste sich jemand aus der Menge mit einem Rosenstrauß und rannte auf Anahit zu, die sofort wieder in Tränen ausbrach - ihr Freund. Als ich einen Blick auf ihn geworfen hatte, wusste ich auch, weshalb er in Armenien auf Brautschau gegangen ist...
Tränenreich wurde ich verabschiedet, sie melde sich auf jeden Fall, wenn sie in Armenien wäre. Mittlerweile hat sie mich schon mehrfach aus Deutschland angerufen, immer um den geplanten Restaurantbesuch zu verschieben. Freitag hatten Kerstin und ich uns an sie erinnert und dass sie ja am Freitag kommen wolle und siehe da, heute treffen wir sie auf der Vernissage. Mit ihrem Freund, der irgendwie nicht hübscher und sympathischer geworden ist...
Tränen gab es aber heute zum Glück keine...
1 Kommentar:
NA das is doch mal ne Geschichte..
Da kann ich ja nur froh sein, dass ich Aaaaatze und nicht Aaaanahit heiße :)
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