Sonntag, 22. März 2009

So ein Tag...

so wunderschön wie heute??? Naja, ich weiß nicht, heute war ein Tag, in dem all meine Aggressionen gegen Georgier zum Vorschein traten...
Es fing schon damit an, dass Karu und Marita sich verspäteten (nicht so schlimm), mein Lift kaputt war (Perspektive: abends die Skischuhe und mich 8 Stockwerke hoch tragen - das ist schlimm) und ich auf der Straße merkte, dass ich die dünnen Handschuhe vergessen hatte. Na gut, das ist nicht so schlimm, entschied ich in Anbetracht von Punkt zwei (Lift). Als wir dann alle drei im Auto saßen und auf den Sanapiro in Richtung Gudauri (Skifahren - juchhej) einbiegen wollten, fiel Karu und Marita allerdings auf, dass sie die Skischuhe vergessen hatten. Nicht so schlimm, fand ich, schließlich bot sich da für mich nochmal die Möglichkeit saubere sanitäre Einrichtungen aufzusuchen. Maia, noch völlig schlaftrunken, war allerdings ein wenig geschockt...
Nach dem Dörfchen Natakhtari fiel Karu dann allerdings auf, dass er auch vergessen habe, Geld zu holen, worauf ich meinte, dass die Fahrt irgendwie unter einem schlechten Stern stünde, ob wir nicht umdrehen wollten...Ohrenschmerzen hatte ich nämlich zu allem Übel auch noch. Unser Geld wurde zusammengelegt und wir entschieden, es reicht für uns drei.
Also weiter. In Gudauri angekommen war schon im Skiverleih klar, dass heute Mord und Totschlag wird, weil es nämlich kaum noch Ski gab. Aber wir bekamen welche. Karu hat uns mit dem Auto in die Nähe des Liftes gebracht und ist dann selbst parken gefahren. Marita bewachte die Ski und ich ging an die Kasse, um Tickets zu kaufen. Nun schimpft man auch in den Alpen in den Skigebieten an den Kassen, dass es zu lange dauert, die Dame unfähig ist, die Leute in der Schlange unhöflich etc., ABER niemand, der so etwas sagt, war jemals in Georgien. Es gab gar keine Schlange. Ein Pulk von Menschen (teilweise mit Ski an den Füßen, aber so unerfahren und lebensmüde bin ich nicht) stand um das Kassenhäuschen und es bewegte sich nichts. Gar nichts. Von rechts und links schoben mich die Leute, nach 20 Minuten war ich ein wenig genervt, trug das Ganze aber noch mit Fassung. Nach einer halben Stunde hatte ich drei Tickets ergattert, mich hinter dem Häuschen vor Freude auf die Schnauze gehauen und die ganze Meute erheitert. Zurück bei Marita traf ich Karu, der grad ankam und wir reihten uns in die Schlange zum Lift ein. Naja, Schlange trifft es nicht ganz, denn das setzt doch ein gewisses Maß an Ordnung voraus...auch hier standen wir sehr lange und schon hier wurde ich leicht aggressiv den vielen Georgiern gegenüber, die sich links und rechts an mir vorbeischieben bzw. direkt zur Gondel gehen wollten (Motte: Gehe nicht über die Schlange, gehe direkt in die Gondel). Aber alles hat ein Ende und wir meinten ja, dass es beim zweiten Lift besser würde.
Ha, weit gefehlt. Beim zweiten Lift ging gar nichts. Er ging an, dann wieder aus, dann wieder an, dann wieder aus. Die Leute drängelten trotzdem und ich fuhr die Ellenbogen zur Selbstverteidigung aus. Irgendwann entschieden wir, es heute doch zu lassen, setzten uns in die Hütte (naja auf den Balkon) und sorgten für das leibliche Wohl. Mittlerweile war es nämlich so gegen eins...
Danach wieder ein Blick zum Lift und siehe da - er fuhr!!! Schnell hin, aber so schnell wie wir da waren, war er auch wieder aus. Dann stand er wieder 10 Minuten still, die Leute besetzten den Raum, wo die Sessel drehen und als er dann wieder losfuhr, hätte jeder Sicherheitsbeauftragte einen Herzinfarkt bekommen. Ein Besoffener der ersten Reihe legte sich vor den Sessel, so dass alles wieder stoppte...als dann der Lift für den Personenverkehr wieder frei gegeben wurde, brach der dritte Weltkrieg, ach nein, war ja auf Gudauri begrenzt, aber ein großer Krieg aus. Wüste Beschimpfungen wurden da ausgesprochen, man ging mit Stöcken aufeinander los und ich dankte Gott dafür, dass wir noch drei Reihen weiter standen. Wie auch schon unten am ersten Lift gingen Massen einfach an der Schlange vorbei und reihten sich vorne ein. Links von mir schob sich eine Familie mit 5 Kindern an mir vorbei, brachte die Kinder in Lebensgefahr (konnten leicht vom Sessel erfasst werden), nur um halt fünf Minuten eher zu fahren. Gegen Kinder wollte ich von meinen Waffen nicht Gebrauch machen, aber meiner Wut machte ich dann im Lift Luft, worüber ein Georgier links von mir (Karu meint, der hätte das verstanden) schmunzelte. Na, wenigstens jemand, der die Komik dieser Situation erkennen konnte. Nachdem wir dann aber diesen Lift überwunden hatten, wurde es besser und der Tag wurde dann doch noch ganz schön. Aber bitte nicht jedes Mal so ein Theater!
PS: Zum Schluss schleppte ich mich nun also die Treppen hoch und traf auf der Treppe eine Oma, die schwer zu tragen hatte. Auch wenn mich dieses Volk heute mächtig aufgeregt hatte, hatte ich doch Mitleid mit ihr und nahm ihr die Tasche ab. Vor lauter Aufregung darüber lief sie dann aber glatt an ihrer Tür vorbei und landete zwei Etagen höher, bis wir den Irrtum vor meiner Tür bemerkten...

3 Kommentare:

Maas hat gesagt…

alles eine Frage der Perspektive... bei uns: 1. ging es los zu einer angemessenen Zeit - um 12.00 kann sich denn doch kaum einer mehr verspäten. 2. hatten wir nur eine wichtige requisite - den schlüssel zur datscha, und den hatten wir diesmal (nicht so vor drei wochen) auch dabei. 3. war unser ziel: die (relative) einsamkeit....
so sahen wir denn den kaukasus mit den neu verschneiten gipfeln wie mit händen zu greifen, friedlich in der ferne liegen. nu ja, wie wir gelesen haben, war es mit dem frieden aus der nähe gesehen nicht so viel. aber das zuspätkommen und die sache mit geld und stiefeln - da können doch eigentlich keine georgier was für (wenn wir denn mal maia außen vor lassen wollen...)
ich wünsche einen erholsamen abend!!!!

Atze hat gesagt…

Oh, oh!
Klingt ja gar nich lustig..
Neee, so macht Wintersport keinen Spaß :(

Kriegste gaaanz viel Mitleid ;)

Mike hat gesagt…

aber am Ende hast du doch dein großes Herz bewiesen.

Respekt!!!