Sonntag, 29. Juni 2008

Fünfjahresplan in drei Tagen!

Heute ging es also in den Nationalpark, um den Trail Nr. 1 zu erkunden. Früh um halb sieben sind wir aufgestanden, haben gefrühstückt, Sachen zusammengepackt. Der Tag fing gut an, denn ich habe entdeckt, dass mein Rucksack gerissen ist. Auf der Straße haben wir eine Frau um Nadel und Faden gebeten und ich habe das notdürftig genäht. Danach haben wir ein Taxi gesucht und sind nach Likani zum Eingang gefahren. Dort haben wir mit dem Parkwächter gesprochen, der uns versichert hat, dass man sich nicht verlaufen kann, weil es überall Markierungen gäbe und der Weg ganz eindeutig wäre. Nach zwei-drei Stunden würden wir an eine Kreuzung kommen, wo wir entscheiden können, ob wir weiter bergauf oder wieder bergab wollen. Naja, die Dame im Büro hat das ja auch gesagt. Also los geht es. Zuerst laufen wir sehr entspannt mit einem leichten Anstieg durch einen verwunschenen Wald, wo mir die ganze Zeit das Vysotzki-Lied "Здесь листья у ели дрожат на ветру/здесь птицы шебечут тревожно/живешь в заколдованном тихом лесу/откуда уйти невозможно..." (Hier zittern die Blätter der Tanne im Wind/Hier zwitschern die Vögel aufgeregt/Du wohnst in einem verwunschenen, stillen Wald, aus dem man nicht wieder rauskommt...) nicht aus dem Kopf ging. Hm, откуда уйти невозможно, naja, mal sehen. Nach einer halben Stunden haben wir einen Rastplatz erreicht, wo uns ein aufgeregter Dalmatiner entgegen kommt und böse anbellt, denn sein Herrchen hat den Platz schon besetzt. Naja, für uns ist es auch zu früh. Nach einer Stunde sollte eine Quelle kommen, die wir auch gesehen, jedoch nicht als solche erkannt haben. Gut, dass wir Wasser aus dem Park in Borjomi mitgenommen hatten. Nach einer Stunde kamen wir dann an das Ende des Tals, wo ein ziemlicher Anstieg auf uns wartete. Nach einer weiteren halben Stunde legte der Anstieg nochmal zu und wir kamen an etwas, das an eine Kreuzung erinnerte, aber dann haben wir entschieden, dass das nur ein Pfad von den Ranger ist und sind den Weg weitergegangen. Nach einer weiteren Stunde waren wir ein wenig kaputt und haben 10 Minuten Halt gemacht, um ein paar Aprikosen zu essen.

Danach war es noch viel schwieriger weiter zu gehen. Dreieinhalb Stunden vorbei und wir haben immer noch keine Kreuzung entdeckt. Nach vier Stunden kamen wir an eine wunderschöne Wiese, mit einem wirklichen Blumenmeer, wo ich entschieden habe, dass wir Mittagspause haben. Also ins Gras, was essen und dann Mittagsschlaf im Schatten. Wundervoller Ausblick.




Nach zwei Stunden Pause haben wir uns wieder auf den Weg gemacht, allerdings nicht mehr mit dem Ziel den Gipfel zu stürmen, sondern nur noch bis zur Kreuzung zu gehen und dann den Berg runter nach Quabiskhevi. Wieder sind wir eine halbe Stunde steil den Berg hinauf. Immer noch keine Kreuzung in Sicht. Seit viereinhalb Stunden suchen wir diese verdammte Kreuzung und nichts ist da. Dazu kommt, dass wir zwar Plaketten gesehen haben, auf denen irgendwann Zeichen waren, aber nirgends ein Zeichen. Die versprochenen Markierungen in Form von Farben auf den Bäumen waren auch nirgendwo zu sehen. Zu allem Überfluss zogen auch noch dunkle Regenwolken auf. Was tun? Eigentlich sollten uns auch noch Leute entgegenkommen (hatte der Parkwächter gesagt), aber wir haben niemanden getroffen. Wir waren also wirklich am Zweifeln, dass wir richtig sind und haben uns schweren Herzens auf den Rückweg gemacht. Eine Nacht im Wald hätten wir ja vielleicht noch überstanden, aber nicht eine Nacht im Regen ohne Zelt. Viereinhalb Stunden sind wir runtergelaufen, das letzte Wasser haben wir bis zum Schluss aufgehoben, haben Gurken, Tomaten, Aprikosen - alles mit Saft - gegessen und Gott und die Welt verflucht. Auf dem Rückweg haben wir übrigens eine Markierung entdeckt - allerdings war sie abgehackt worden!
Was waren wir glücklich, als wir am Bach ankamen! Von hier war es ja nur noch eine Stunde! Im Bach haben wir unsere Beine in eiskaltem Wasser erfrischt, was mir fast noch eine Blasenentzündung verschafft hat. Getrunken haben wir das Wasser nicht, wer weiß, was da alles in drin ist, aber schon die Katzenwäsche hatte erfrischt und das nahe Ziel den Durst gelindert. Abends um acht kamen wir wieder beim Parkwächter an, der uns dann erklärte, was wir falsch gemacht hatten. Also an der "Kreuzung", die wir nicht für voll genommen hatten, hätten wir auf dem Pfad weitergehen sollen. Wir haben den Autoweg genommen, der viel länger (allerdings auch nicht so steil) ist. Auf dem Stück, das die Abkürzung war, wäre dann auch die Kreuzung gewesen - die, die wir vergeblich gesucht hatten, um uns zu orientieren! Daher haben wir sie nie gefunden. Unsere Rastwiese hat er erkannt und als wir ihm erklärt haben, dass wir auch noch eine halbe Stunde bergan gelaufen sind, hat er gelacht und gesagt, dass wir 15 Minuten vor dem Ziel umgedreht haben. Wir haben also die Tour, die man in zwei Tagen machen sollte, an einem Tag gemacht. 15km bergauf, 15 bergab auf eine Höhe von fast 2200 m. Als wir runtergelaufen sind, war ich richtig entsetzt, wieviel wir hochgelaufen sind. Das hatte ich alles gar nicht gespeichert...

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